Alles begann im Jahr 2002: Nichtsahnend schritt der damals 25-Jährige seiner bis dahin wohl erfolgreichsten Saison entgegen; doch es sollte bekanntlich alles anders kommen.
Im Kampf um die deutsche Meisterschaft reichte es auf Grund einer 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg am letzten Spieltag lediglich für Rang zwei; mit einem Punkt Rückstand auf den deutschen Meister Borussia Dortmund. Ballack war noch einer der besseren Leverkusener Akteure in diesem Spiel, aber auch er konnte die Niederlage nicht abwenden. Dieser erste Schmerz sollte durch einen Sieg im DFB-Pokalfinale überwunden werden, doch auch hier schaute er am Ende in die Röhre und musste sich mit seinem Team dem FC Schalke 04 mit 2:4 geschlagen geben.
Der Rettungsanker für eine bis dato verkorkste Saison sollte der Champions League-Sieg gegen Real Madrid werden. Doch schon nach neun Minuten gingen die „Königlichen“ durch ein Tor von Raul in Führung. Lucio glich fünf Minuten später aus, aber der unwiderstehliche Zinedine Zidane stellte mit einem wunderbaren Schuss aus der Drehung kurz vor der Pause den alten Abstand wieder her. Der folgende Sturmlauf in den restlichen 45 Minuten brachte nichts mehr ein und zum dritten Mal binnen drei Wochen verließ Michael Ballack den Platz als Verlierer.
Als Hoffnungsträger der Nationalmannschaft, die er mit drei Toren im Qualifikationsspiel gegen Ukraine zur WM 2002 in Japan und Südkorea schoss, reiste Michael Ballack mit seinen Teamkollegen Oliver Neuville, Carsten Ramelow und Bernd Schneider zum Turnier. Mit den entscheidenden Treffern zum 1:0 gegen die USA und Südkorea ebnete Ballack den Weg ins Finale, das er tragischerweise wegen einer Gelb-Sperre verpasste, indem er aufopferungsvoll eine Großchance gegen die Südkoreaner zu Nichte machte. So musste der spätere All-Star-Spieler der WM die 0:2-Niederlage seiner Mannschaft gegen Brasilien tatenlos mit ansehen. Somit war für den gebbürtigen Görlitzer das Seuchenjahr 2002 perfekt, was gleichzeitig sein Image des „ewigen Zweiten“ hervorrief.
Zwar gab sich der 32-Jährige immer wieder kämpferisch nach verlorenen Titel-Duellen, doch sollte er auch in der Zukunft sein Image „pflegen“, zum Beispiel mit dem dritten Platz bei der WM 2006, sowie seinem Deja-vu-Jahr 2008, wo er neben der Niederlage im CL-Finale mit seinem neuen Klub FC Chelsea zusätzlich Zweiter in der englischen Meisterschaft sowie Vizeeuropameister wurde.
Wieder kein internationaler Titel für den smarten Ostdeutschen.
Doch als was muss man diese Titel interpretieren? Misserfolg, Pech oder gar Unvermögen?
Misserfolg kann man die Titel eigentlich nicht nennen, denn auch ein zweiter Platz ist aller Ehren wert, aber dabei steckt immer der bekannte Satz: „Der zweite Platz ist der erste Verlierer!“ im Hinterkopf eines jeden Fußballfans.
Weiterhin muss man betonen, dass Ballack auf nationaler Ebene beinahe alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt: Vierfacher deutscher Meister, dreifacher Pokalsieger, FA-Cup Sieger sowie englischer und deutscher Ligapokalsieger. Diese Masse an Titeln können nicht viele Fußballer aufweisen, aber meistens auch nicht die Reihe von Silbermedaillen…
Auch mit persönlichen Titeln hat der deutsche Nationalmannschaftskapitän im Laufe seiner Karriere nicht gegeizt, immerhin war der „kleine Kaiser“, wie er zu Chemnitzer Zeiten genannt wurde, dreimal deutscher Fußballer des Jahres (nur der Kaiser höchst persönlich hat mit vier Titeln mehr aufzuweisen) und war in den All-Star-Teams der WM 2002 & 2006 sowie EM 2004 & 2008. Alles Auszeichnungen, die sein „Verlierer-Image“ aufpolieren.
Trotz dieser Erfolge bemängeln Kritiker das Fehlen eines internationalen Titels. Die Chancen für den 32-Jährigen stehen auch in Zukunft noch gut, auch wenn Ballack beim FC Chelsea mittlerweile etwas zum Mitläufer verkommen ist, der im Schatten der großen Mittelfeldstars wie Frank Lampard, Joe Cole oder Mikael Essien steht. Er ist nicht mehr der Mann für die entscheidenden Tore, aber zur Zeit der einzige Deutsche, der bei einem internationalen Top-Klub Stammspieler ist und daher einen immensen Stellenwert für die deutsche Elf hat.
Das der Chelsea-Akteur zugleich ein polarisierender Spieler ist, steht außer Frage, was auch die Ohrfeige von Lukas Podolski an ihm, die andauernden Querelen im Nationalteam oder die Diskussion über seine Spielweise zeigen.
So ist es Pech, aber vielleicht auch ein wenig Unvermögen, dass bei den entscheidenden Gegentoren im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien und im CL-Halbfinale 2009 gegen Barcelona ausgerechnet Michael Ballack vor dem Schützen steht und sich beide Male wegdreht. Wie wäre die Sicht von ihm hätte er sich zweimal mit voller Wucht in die Schüsse geworfen und das Gegentor verhindert? Würden dann seine unglaublichen 12, 06 Kilometer, die er gegen den FCB gerannt ist nicht so einfach unter den Tisch gekehrt werden?
Schlussendlich muss man sagen, dass Ballacks Zeit noch nicht abgelaufen ist, was seine Vertragsverlängerung beim Londoner Spitzenklub verdeutlicht. Hier hat er in Zukunft die Möglichkeit den CL-Pokal zu ergattern. Etwas schwieriger wird das schon für Deutschland, da die WM 2010 wohl sein letztes Turnier werden wird.
Will Ballack den Karrieremakel des „ewigen Zweiten“ endlich loswerden, muss ihm mit Deutschland oder im Verein der Coup gelingen. Zumindest für den ersten Titel ist ihm dabei die Unterstützung aller Deutschen gesichert.
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